Mit kleinen Dingen einen großen Unterschied bewirken: Culture Hacks

Zahlreiche Organisationen streben nach einem Kulturwandel, unter anderem, um den Anforderungen der VUCA-Welt gerecht zu werden. Doch die Kultur verändert sich nur, wenn sich die Menschen in der Organisation anders verhalten. Und Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen, ist eine große Herausforderung. Daher stellt sich in Transformationsprozessen die zentrale Frage: Wie kann Verhaltensänderung gelingen?

 

Das System reizen

Ein guter Weg: Culture Hacks. Bei diesen Hacks geht es darum, neue Impulse zu setzen oder das System Ihrer Organisation zu irritieren, damit etwas Neues entstehen kann. Wie das Endergebnis aussieht, ist dabei am Anfang nicht klar. Was durch den Reiz passiert, wird nicht einmal strategisch geplant. Ein Hack ist ein Experiment. Besonders gut gelingt das Ganze auf spielerische Weise: im Spiel probieren wir Neues aus, akzeptieren ein Scheitern, Lernen und haben Spaß. Die Hirnforschung weiß: spielerisch sind wir am kreativsten!

Culture Hacks kommen von „System hacken“ und verstehen Kultur als Betriebssystem. Aber ursprünglich stammen sie aus der Kunst. Die Avantgarde startete z.B. Anfang des letzten Jahrhunderts als Provokation, hat sich aber mit den Jahrzehnten als Kunstentwicklung etabliert. ‚Urban knitting‘ ist ein aktueller Culture Hack aus der Kunst.

Culture Hacks: Drei Beispiele

 

  1. E-Mailflut nach dem Urlaub

Ein typisches Problem sind überquellende Postfächer mit hunderten von E-Mails nach dem Urlaub. Schon der Gedanke an die ersten Tage nach dem Urlaub stresst viele Mitarbeitende. Gängige Lösungen sind: heimlich schon einen Tag früher wieder anfangen zu arbeiten, damit der erste Tag nicht so schlimm wird. Den ersten Tag nach dem Urlaub im Homeoffice bleiben, damit nicht noch ad-hoc Aufgaben dazu kommen.

Alternativ folgender Hack: alle E-Mails, die im Urlaub ankommen, werden gelöscht. Der Wiedereinstieg nach dem Urlaub ist unbelastet. Eine wichtige E-Mail wird wieder kommen. Sicher eine Provokation. Was wird sie bewirken? Das kommt auf Ihre Organisation an.

 

  1. Meetings zu dicht getaktet

Die Meetingkultur gibt regelmäßig Anlass für Unzufriedenheit. Typisch: Die ersten und die letzten 5 Minuten sind von verspätetem Ankommen und verfrühtem Gehen geprägt. Das ist Zeit, die nicht für echten Austausch und Beschlüsse genutzt werden kann. Ein Problem: Meetings werden nahtlos aneinander geplant, dabei gibt es oft große Wegezeiten innerhalb der Firma.

Hack: Teilnahme per Telefonkonferenz (falls daraus schon eine Irritation entsteht) oder ein Einladen zu ungewöhnlichen Meetingzeiten – wie wäre es mit 09:11-9:53 Uhr? Oder ein sofortiges Absagen jedes Meetings, wenn nicht alle pünktlich da sind.

 

  1. Ein praktisches Beispiel eines Kunden: Laptop-Tower

Im Meeting wird regelmäßig parallel gearbeitet und Emails beantwortet. „Laptop-Tower“ heißt der sich daraus ergebende Hack: Zu Beginn eines jeden Meetings werden die Laptops eingesammelt und zur Seite gestellt. Damit werden die Meeting-Effizienz und die Wertschätzung gegenüber den Kollegen erhöht.

 

Jedes System braucht seine eigenen Hacks

Ein Hack ist ein spielerisches Experiment, auf das sich alle Beteiligten einlassen. Schnell kann man ihn umsetzen und mit oft kleinem Aufwand viel bewirken. Um die Hürde für den Einstieg ins Culture Hacking gering zu halten, bietet sich an, dass Hacks in Kleingruppen oder Abteilungen gemeinsam entwickelt werden. Es braucht einen Kümmerer, der den Hack organisiert und in einer definierten Experimentierphase vorantreibt. Um nachhaltige Verhaltensänderungen zu erzielen, ist es wichtig, regelmäßig zu reflektieren, ob der Hack zur Organisation passt. Wenn der Hack wenig oder keine Wirkung zeigt, ist es Zeit für Variationen oder einen ganz neuen Hack. Auch Scheitern ist erlaubt! Wichtig ist es die gemachten Erfahrungen, gewonnenen Erkenntnisse und Erfolgsgeschichten in der eigenen Organisation weiterzutragen.

 

Viel Spaß beim Hacken und Ausprobieren!