Return to Work: wie Wiedereingliederung nach psychischen Krisen gelingt

Das Team wartet schon sehnsüchtig auf die Rückkehr des lang ausgefallenen Kollegen - nur: wer dazu beitragen möchte, dass diese Wiedereingliederung auch gelingt, sollte auf einige Dinge achten...

Wenn Menschen nach langer Abwesenheit aufgrund von psychischen Krisen wieder in den beruflichen Alltag eingegliedert werden, ist viel Fingerspitzengefühl und Einfühlsungsvermögen gefragt. Der BEM Prozess sorgt in größeren Unternehmen meist für die organisatorische Abwicklung wie eine schrittweise Wiedereingliederung nach einem abgestimmten Zeitplan. Nur wird dies oft den facettenreichen zwischenmenschlichen Aspekten nicht gerecht und führt so manches Mal direkt wieder in die Überforderung. Cornelia Hogrefe hat uns im PfO Impuls am 03.07.24 aufgzeigt, worauf es bei der erfolgreichen Wiedereingliederung ankommt: besonders der Aspekt "Selbstwirksamkeit erlebbar machen" führt zu einer selbstverstärkenden, positiven Entwicklung im Return-to-Work Prozess. Mit einer fragenden Haltung können HR-Mitarbeitende dafür sorgen, dass Wiedereingliederung im individuell passenden Tempo geschieht. Teilnehmende des PfO Impuls gaben zu bedenken, dass auch die Frage "wie willst Du es denn haben" oft überfordernd wirkt. Cornelia lud dazu ein, dann Druck rauszunehmen und dazu einzuladen, diese Frage einfach mal "mitzunehmen" - und in den kommenden Tagen/Wochen darauf zu achten, ob sich eine Idee dazu entwickelt. Auch die Art der Frage kann dazu verhelfen, auf Lösungen zu kommen. Als Beispiel nannte sie die Möglichkeit, zirkulär zu fragen - wie: "was würde denn ein guter Kollege raten?" oder auch ressourcenorientiert zu fragen: "was genau hat Dir denn in anderen Situationen schon geholfen?"

Cornelia zeigte auf, dass die erfolgreich Wiedereingliederung mit dem Grad der erlebten Selbstwirksamkeit zusammenhängt: Menschen mit erfolgreicher Krankheitsbewältigung und eher abgrenzbarer Problemlage kommen oft mit konkreten RTW-Plänen und Vorstellungen ins Unternehmen zurück. Hier reichen flankierende BEM-Maßnahmen aus, damit die Wiedereingliederung gelingt. Wer aber eher komplexe Problemlagen zu bewältigen hat und noch nicht ganz so weit im Krankheitsbewältigungsprozess fortgeschritten ist, kommt häufig auch mit weniger konkreten Vorstellungen zurück. Hier ist es lohnenswert, die Wiedereingliederung durch Coaching der betroffenen Person zu begleiten, um entsprechende Klarheit zu entwickeln und auch im Unternehmenskontext Stellhebel zu identifizieren, die eine schrittweise Produktivität wieder ermöglichen - was für alle Betroffenen so wichtig ist!

Grundsätzlich ist es wichtig, auch die Führungskräfte zu schulen, wie sie mit der Situation umgehen, kritisch Handlungsmuster und Kommunikationsgewohnheiten zu hinterfragen. Auch für das Team ist es hilfreich, sich über mögliche Verhaltensweisen einen konstruktiven Umgang miteinander und mit der Situation zu erarbeiten. Hier gilt: wer gemeinsam einen solchen Prozess erfolgreich meistert, ist als Team stärker denn je zuvor. Nicht zuletzt ist es auch eine Möglichkeit, die eigenen HR-Kräfte im Umgang mit den vielen Erwartungen zu schulen - denn diese werden in der Schnittstelle zwischen betroffenen Rückkehrenden und Anforderungen von Unternnehmensseite oft aufgerieben.

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